Das Wort zur Wochenmitte

Kannst du für mich beten? 

Dieser Satz geht mir unglaublich schwer über die Lippen. Damit gebe ich ja zu, dass ich Hilfe brauche, dass nicht alles perfekt läuft, dass ich unerfüllte Hoffnungen und Sehnsüchte in mir trage, dass ich zu kämpfen habe.

Es fällt mir meist viel leichter, meine geheimen Wünsche, Sehnsüchte und Sorgen im Stillen vor Gott zu bringen, verborgen vor den Ohren anderer. Auch denke ich immer wieder: So wichtig ist mein Anliegen doch gar nicht, andere brauchen viel dringender ein Fürbittengebet. Und selbst wenn mein Anliegen besonders groß ist, traue ich mich dann doch nicht, weil das Thema so privat ist. 

Letzte Woche habe ich für meine beste Freundin, die gerade im 7. Monat schwanger ist, eine Babyparty veranstaltet. Gegen Ende haben wir ihr alle die Hand aufgelegt und gebetet: Für sie als werdende Mutter, für das Kind, für die Geburt, für ihre Ehe. 

Es war auch für mich schön zu sehen, wie gerührt meine Freundin war. Ich denke, sie hat sich von uns gehalten gefühlt und fand es schön, dass wir ihre Anliegen, Ängste, Sorgen und Freuden mit vor Gott gebracht haben. Es tat gut im Gebet miteinander verbunden zu sein. 

Und ich dachte: Warum habe ich so selten eine Gebetsgemeinschaft, wenn mir das doch so wichtig ist? Früher war ich in einem Hauskreis, in dem wir das regelmäßig gemacht haben und ich mochte auch immer die Gottesdienste, in denen man sich mit seinem Gebetsanliegen segnen lassen konnte. Wegen Corona fanden diese leider zuletzt nicht mehr statt. Mir fehlt solche Gebetsgemeinschaft. Mir fehlt ein Raum, an dem ich Menschen um Gebet bitten kann, ohne dass ich mir komisch vorkomme. Es muss Platz dafür sein. 

Ich habe mir vorgenommen mutig zu sein und beim nächsten Mal, wenn mir etwas auf dem Herzen liegt, für das ich mir Gebet wünsche, mich jemandem anzuvertrauen, der für mich beten mag. Ich glaube, das wird mir guttun. Vielleicht ergibt sich daraus ja sogar eine Gebetsgemeinschaft.

Amen

Ihre Anthea Haacke