Das Wort zur Wochenmitte

In der Stille angekommen

Es gibt nur wenige Ort, wo es wirklich still ist.

Ich genieße die Stille auf der Hallig, auch auf den autofreien Inseln. Keine Motorengeräusche stören. Aber wirklich leise ist es da auch nicht – der Wind, die Vögel – sie alle füllen die Luft mit Geräuschen. Aber dieser Lärm lenkt mich nicht ab, stört mich nicht. Ich kann dort in der Stille sein und selbst still werden.

In der Stille angekommen – zuerst schaue ich mich um. Sehe das Licht und die Bewegungen um mich herum, sehe die Wolken ziehen, habe den Vogelschwarm entdeckt. In der Stille kann ich mich auf die anderen Sinnesorgane konzentrieren. Die Nase atmet die frische Luft. Auf den Lippen liegt das Salz. Mein Gesicht spürt die Frische und die Sonne und den Wind. 

In der Stille angekommen – mein Gedanken beginnen zu wandern. Ich lehne mich zurück auf der Bank und nehme die Gedanken wahr, wie sie so kommen. Was heute Morgen war, was gestern war, wie wir früher an der See waren, wie die Überfahrt war, wie die Häuser hier sich verändert haben, wie alles genauso ist wie immer – die Gedanken fließen. 

In der Stille angekommen – ich komme ins Gespräch. Erst einmal mit mir selbst, denke dies, denke das – sage mir, wie gut mir diese Stille tut, frage mich, warum die Vögel mich mit ihrem Schreien viel weniger stören als die Autos mit ihrem Brummen und Aufheulen, komme immer mehr in tiefere Regionen meiner Gedankenwelt, meiner Seele. 

In der Stille angekommen – meine Stirn entspannt, meine Augen, meine Ohren werden weit, mein Herz wird weit. Da brauche ich keine Worte. Einfach nur da sein. Gar nichts denken – das tut gut.

In der Stille angekommen – ich werde ruhig vor Gott. Gott versteht meine Gedanken von ferne, heißt es im Psalm 139. Ja, das erlebe ich. 

In der Stille angekommen – auch das Lied fällt mir ein: 

  1. In der Stille angekommen werd ich ruhig zum Gebet. 
    Große Worte sind nicht nötig, 
    denn Gott weiß ja, wie’s mir geht. 

    Refrain: 
    Danken und loben, bitten und flehn, 
    Zeit mit Gott verbringen. 
    Die Welt mit offnen Augen sehn. 
    Reden, hören, fragen, verstehn, 
    Zeit mit Gott verbringen, 
    die Welt mit seinen Augen sehn. 
  2. In der Stille angekommen leg ich meine Masken ab. 
    Und ich sage Gott ganz ehrlich,
    was ich auf dem Herzen hab.  Refrain
  3. In der Stille angekommen schrei ich meine Angst heraus. 
    Was mich quält und mir den Mut nimmt, 
    all das schütt‘ ich vor Gott aus.  Refrain
  4. In der Stille angekommen nehm ich dankbar, was er gibt. 
    Ich darf zu ihm „Vater“ sagen, 
    weil er mich unendlich liebt.  Refrain

In der Stille ankommen – ob ich dafür immer in die Ferne reisen muss?

Eine gute Reise in die Stille wünsche ich Ihnen. Vielleicht ist die Stille ja schon gleich nebenan. 

Ihre Pfarrerin Claudia Bitter

PHP Code Snippets Powered By : XYZScripts.com