Mahn- und Gedenkfeier zum 9. November 1938 – 2018 um 19 Uhr an der Gedenkstätte Ehemaligen Schwerter Synagoge in der Gr. Marktstraße.

In den Räumlichkeiten des Gemeindezentrums St. Viktor wird in einem zweiten Teil der Feier mit Wort, Theater und Musik die Relevanz des Gedenkens für unsere Zeit unterstrichen.

Nach der von Industrie, Banken und Versicherungen finanzierten Machtergreifung der Nazis wurden Gewerkschaften, Parteien und Personengruppen zerschlagen und diskriminiert, Recht und Ordnung außer Kraft gesetzt und Willkür und Kriegsvorbereitung Tür und Tor geöffnet.

Mit Empörung nehmen wir wieder wahr, dass Naziaufmärsche, Nazi-Versammlungen und rassistische Konzerte, aber auch hasserfüllte Übergriffe und Brandanschläge zum Tagesgeschehen gehören.

Mit der AfD sind judenfeindliche völkische Hetze, Islamhass, Fremdenfeindlichkeit und ein herabsetzendes Frauenbild mit Ablehnung einer Geschlechtergerechtigkeit in unsere Parlamente eingezogen. Eine 180 Grad-Wende in die braune Vergangenheit wird gefordert. Der verfolgten Jüdinnen und Juden und der anderen vom NS-Regime drangsalierten Personengruppen soll nicht länger gedacht werden. Gedenkstätten werden als „Mahnmale der Schande“ bezeichnet.

80 Jahre liegt die Pogromnacht des 9. November 1938 zurück. 40 Jahre reichen nach biblischen Maßstäben aus, um aus Unrecht zu lernen und umzukehren zu neuer Lebensweise. Der Fortbestand unkontrollierter Machtstrukturen und durch soziale Unsicherheit geschürte Konkurrenzängste und Neid zerstören jedoch Gemeinschaft bildende Prozesse und gutes Miteinander. Erinnerungskultur kann helfen, nicht erneut falsche Wege zu wählen. Der Handlungsrahmen für kommunale Friedensarbeit der Stadt Schwerte sieht die Mahn- und Gedenkarbeit in unserer Stadt als unverzichtbar an für ein Eintreten gegen Hass und Gewalt, für Schritte zu mehr Gerechtigkeit und Frieden.

Am 9. November 1938 wurden Schwerter Nachbarinnen und Nachbarn systematisch terrorisiert, Die Polizei wurde von den Nazis aufgefordert, sich zurückzuhalten. Die neu renovierte Synagoge in der Gr. Marktstraße wurde gestürmt, die Thora-Rollen in den Straßenschmutz geworfen und im Inneren Feuer gelegt.Doch das war nur der Auftakt zu noch Schrecklicherem: 1942 wurde die noch im Ruhrtal verbliebene jüdische Gemeinde zum Schlachthof in der Liethstraße getrieben. Die Menschen mussten in Baracken nächtigen, wurden dann weitergetrieben zum Schwerter Bahnhof. Mitten im 20. Jahrhundert, mitten in unserem kulturell hoch stehenden Land, haben die Nazis Menschen, Nachbarn von nebenan, Kolleginnen und Kollegen, Mitschülerinnen und Mitschüler, in Viehwaggons abtransportiert in die Konzentrationslager Auschwitz, Sobibor und Theresienstadt, wo die meisten brutal ermordet wurden.

Am 9. November um 19 Uhr gedenken wir der Verfolgten und Ermordeten. Bitte lassen Sie uns an der Gedenkstätte Ehemalige Synagoge in der Gr. Marktstraße Kerzen in Gläsern entzünden.