Die neue Orgel in der Marktkirche St. Viktor

Mit einem festlichen Gottesdienst in der Marktkirche St. Viktor wurde am 1. Advent 2014 in Schwerte die neue Orgel aus der Orgelbauwerkstatt Daniel Kern in Strasbourg eingeweiht. Es ist die erste Kern-Orgel in Nordrhein-Westfalen.
Das Instrument verfügt über 27 Register, davon 5 Zungenstimmen, verteilt auf Hauptwerk, Schwellwerk und Pedalwerk. Die Spieltraktur der Schleifladenorgel ist mechanisch ausgelegt, die Registertraktur elektrisch. Zwei unabhängige Tremulanten, Koppeln, Oktavkoppeln und eine Setzeranlage vervollständigen die technischen Möglichkeiten.

Albert Schweitzer war es, der bei der Gründung der Orgelbauwerkstatt 1953 dem damaligen Orgelbaumeister Alfred Kern behilflich war. 1977 übernahm dessen Sohn Daniel Kern die Leitung der elterlichen Werkstatt. Mit Restaurierungen (historische Orgeln von Johann Andreas Silbermann und Aristide Cavaillé-Coll) und Orgelneubauten in Frankreich, Deutschland (Berlin/Marienkirche, Dresden/Frauenkirche, Frankfurt/Musik-hochschule), USA (Dallas), Russland (St. Petersburg), Österreich und Japan hat sich die Orgelbauwerkstatt Kern international einen Namen gemacht. Das farbige, direkte, frische und dennoch kammermusikalische Klangbild mit seinen zahlreichen charaktervollen Grundstimmen passt gut in die akustische Situation dieser gotischen Hallenkirche. Die französische Orgel ist zugleich ein ausgezeichneter Farbtupfer inmitten der westfälischen Orgellandschaft.

Über viele Jahre hinweg hat sich die Gemeindeleitung mit der Standortfrage, der Größe, Qualität, der Auswahl eines Orgelbauers, der Einpassung in den Raum, dem Klima, der akustischen Situation und anderen Fragen befasst. Beraten wurde sie in dem Prozess von den Orgelsachverständigen der Landeskirche und der Denkmalpflege, von zahlreichen Musikern, Orgelbauern, dem kirchlichen Bauamt Bielefeld, der oberen und unteren Denkmalbehörde und Architekturbüros. Der Essener Architekt Arndt Brüning zeichnet nun für die architektonische Gestaltung der Orgel und der Orgelempore verantwortlich.

Die neue Orgel steht auf einer freistehenden Empore vor dem Haupteingang der Kirche, lediglich gestützt von zwei schlanken Konsolen, die den Zugang in die Kirche flankieren. Wegen der geringen Raumhöhe musste jeder Zentimeter bis zum Gewölbescheitel genutzt werden. Um die Tiefe der Empore so gering als möglich zu halten, finden auf der Empore maximal vier Vokal- oder Instrumentalsolisten zusätzlich Platz.
Die frei im Raum stehende Empore ermöglicht es, ohne Eingriffe in den historischen Baukörper der gotischen Marktkirche auszukommen. Der Blick auf das farbige Pfingst-Fenster über dem Haupteingang von Wilhelm Buschulte, dem Glaskünstler aus Unna, ist nun durch die Orgel verdeckt. Das Fenster wird künftig jedoch von innen beleuchtet und nach Einbruch der Dunkelheit vom Marktplatz aus zu sehen sein.

Das kleine fünfregistrige Orgel-Positiv der Orgelbauwerkstatt Riegner & Friedrich ist 1996 als Übergang in der St.Viktor-Kirche aufgestellt worden. Es wird im Chorraum verbleiben und für Gottesdienste, Andachten und Konzerte zur Verfügung stehen.

Seit 1993 ist die evangelische Kirchengemeinde Schwerte mit der Frage eines Orgelneubaus befasst. Unterstützung erhielt sie durch den Orgelbauverein und den Förderverein St. Viktor, die vor allem die Finanzierung einer neuen Orgel tatkräftig unterstützten.

Mit diesem prachtvollen französischen Orgelwerk wird in der Geschichte des Orgelbaus in der Marktkirche St. Viktor ein neues und bedeutendes Kapitel aufgeschlagen.

Kantor Klaus Irmscher

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