Wie wäre die Vorstellung in Schwerte künftig nicht nur mit dem Euro zahlen zu können, sondern mit einer Parallelwährung – dem „Ruhrtaler“?

Mit dieser Überlegung beschäftigt sich schon seit längerer Zeit eine Arbeitsgruppe, die aus dem Netzwerk „Schwerte zusammen“ hervorgegangen ist. Das Netzwerk ist Anfang 2018 gegründet worden und möchte für Schwerter Bürger*innen neue Impulse setzen und Menschen zusammenbringen, die ihre Stadt aktiv mitgestalten wollen.

Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“, der Lösungen und Projekte für eine bessere Zukunft aufzeigt führte schon zur Gründung von 3 Initiativen in Schwerte: „Schwerte pflanzt“, „Schwerte nachhaltig“ und „Foodsharing“. Eine weitere Initiative, die jedoch bisher im verborgenen arbeitete, ist die Initiative „Ruhrtaler“, die nun nach knapp 2-jähriger Arbeitsphase an die Öffentlichkeit geht.

Ursula Dören (li.), Tom Damm und Ingrid Roth-Bußmann von der Initiative „Ruhrtaler“ des Netzwerkes „Schwerte zusammen“ arbeiten daran, den Traum einer Parallelwährung für Schwerte und die Region zu verwirklichen. Foto: Daniel Groß

Worum geht es?

Die Gruppe engagierter Schwerter Bürger*innen möchte untersuchen, wie Gemeinschaft und Wirtschaft in der Region nachhaltiger gestaltet werden können. Viele Beispiele zeigen, dass Parallelwährungen Regionen stärken und ihre Krisenanfälligkeit vermindern können. So gibt es etwa 40 Parallelwährungen in Deutschland, am bekanntesten ist der „Chiemgauer“. Eine solche Parallelwährung auch in Schwerte zu etablieren, ist das ehrgeizige Ziel der Initiative.

Man sei sich bewusst, dass es in Schwerte seit Ende 2017 schon den „Schwerte Gutschein“ gibt, mit dem in vielen Schwerter Geschäften schon bezahlt werden kann. Die Idee des „Ruhrtalers“ soll darauf aufbauen und den existierenden Gutschein gewissermaßen upgraden und aufwerten. Dazu sei es sehr wichtig, die Schwerter Wirtschaft und auch die Stadt ins Boot zu holen. Die Vorteile einer eigenen regionalen Währung liegen auf der Hand – dies zeige sich auch durch die Erfahrung in anderen Städten, sogar weltweit. „Das Geld der Parallelwährung bleibt zum Beispiel in der Region, wodurch diese nachhaltig gestärkt wird“, sagte Tom Damm, ein Vertreter der Initiative. Zudem wird das Einkaufsbewusstsein eines jeden einzelnen geschärft, sei es Händler oder Verbraucher und gleichzeitig damit die gemeinsame Verantwortung und Solidarität in der Region zum Ausdruck gebracht.

Inspiriert wurde die Initiative unter anderem von Jens Martignoni, Komplementärwährungsexperte der Uni Köln, und seinem Buch „Das Geld neu erfinden“. Er beschreibt dort eindrücklich, dass Geldsystem und Währung entscheidenden Einfluss auf das Funktionieren unserer Wirtschaft nehmen — und dieses auch empfindlich stören können. Und zeigt auf, dass andere Währungsmodelle ein festes Fundament für eine nachhaltige und zukunftsfähige Wirtschaft bilden können.

Startschuss im November

Die Initiative startet schon bald mit 2 Auftaktveranstaltungen, zu der interessierte Bürger*innen eingeladen sind mitzudiskutieren und sich einzubringen. Zu diesen Veranstaltungen konnte Jens Martignoni gewonnen werden. Er hält am Freitag, 22. November 2019 um 19.00 Uhr einen Vortrag zum Thema „Geld und Gemeinschaft – braucht Schwerte eine alternative Währung?“ mit anschließendem Raum für Diskussion und Gespräch.

Am folgenden Samstag (23. November 2019) begleitet Martignoni ab 10.00 Uhr einen Vertiefungsworkshop „Wie gründet man eine alternative Währung?“. Wie könnte eine Währung für Schwerte aussehen? Wo sind Schwierigkeiten zu erwarten? Diese und weitere Fragen werden dort erörtert.

Beide Veranstaltungen sind kostenfrei und finden im Gemeindezentrum St. Viktor, Am Kirchhof 1 statt. Da die Teilnehmeranzahl beim Workshop begrenzt ist, melden Sie sich bitte bis zum 01. November 2019 bei Tom Damm (tom.damm@evangelische-kirche-schwerte.de, 0173 – 945 16 78 ) an.

Eine allgemeine Einführung in das Thema bietet der bereits erwähnte Film „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“, der am Mittwoch, den 23. Oktober 2019 um 19.00 Uhr im Gemeindezentrum St. Viktor wiederaufgeführt wird. Auch diese Veranstaltung ist kostenfrei.

Wie es nach diesen Veranstaltungen weitergeht? Wie schnell und ob eine solche Parallelwährung in Schwerte beheimatet werden kann? Ob der „Ruhrtaler“ eine physische oder digitale Währung werden kann? Das legt die Initiative vor allem auch in die Hände interessierter Bürger*innen, die daran mitarbeiten wollen, Schwerte und die Region nachhaltiger zu machen.

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