Das Wort zur Wochenmitte

Foto: Adobe Stock – S Amelie Walter

Ich sag’s mal ganz ehrlich: Nach dem Urlaub hat mein Körper beschlossen, mich daran zu erinnern, dass ich ein Mensch bin. Ein sehr menschlicher Mensch. Kaum war ich wieder zu Hause, ging’s los: Nase dicht, Kopf zu, Stimme weg. Und jetzt, ein paar Tage später, kommt „der ganze Rotz“ raus — und ich merke: Ich werde wieder fit.

Es ist faszinierend, wie der Körper funktioniert. Erst sammelt er alles an, was nicht hineingehört. Dann beschwert er sich lautstark. Und irgendwann entscheidet er: So, jetzt reicht’s — raus mit dem Zeug. Und plötzlich wird alles leichter.

Und ich dachte: Eigentlich ist das ein ziemlich gutes Bild für das Leben.

Manchmal staut sich so viel an — Ärger, Stress, Enttäuschungen, unausgesprochene Gedanken, Erwartungen, die wir nicht erfüllen können. Und wir laufen damit herum, als wäre alles normal. Bis irgendwann nichts mehr geht. Bis die Seele sagt: „Stopp. Jetzt muss mal was raus.“

Und dann wird’s ungemütlich.
Nicht elegant.
Nicht instagramtauglich.
Eher so… Taschentuch‑Realität.
Aber genau da passiert Heilung.

Im Psalm 147 steht: „Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“

Das klingt poetisch — aber manchmal ist Gottes Heilung erstaunlich bodenständig.

Manchmal bedeutet sie:

  • dass wir endlich aussprechen, was uns belastet
  • dass wir uns eingestehen, dass wir müde sind
  • dass wir loslassen, was uns verstopft
  • dass wir uns erlauben, schwach zu sein

Und manchmal bedeutet sie einfach:

Gott reicht uns ein Taschentuch. Nicht, um uns zu sagen: „Reiß dich zusammen.“ Sondern um zu sagen: „Ich bin da. Lass raus, was raus muss.“

Vielleicht ist das die Einladung dieser Woche:

Nicht alles in sich hineinstopfen. Nicht alles tapfer wegdrücken. Nicht so tun, als wäre immer alles glatt, sondern zuzulassen, dass Gott uns reinigt, klärt, befreit — manchmal leise, manchmal über Umwege, manchmal mit Humor.

Und vielleicht dürfen wir selbst auch solche Taschentuch‑Menschen sein.

Menschen, die anderen Raum geben, ehrlich zu sein.Menschen, die nicht urteilen, wenn’s mal „rotzig“ wird.Menschen, die sagen: „Ich halte das mit dir aus.“
Möge diese Woche für dich ein Aufatmen sein.

Möge Gott dir Kraft schenken, wo du noch festhängst.

Und möge er dir Menschen schicken, die dir ein Taschentuch reichen — im wörtlichen und im übertragenen Sinn.

Ihr und Euer Daniel Groß

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