
Liebe Leserin, lieber Leser!
Da parke ich am Randstreifen. Nirgends ein Halte- und gar Parkverbot. Erleichtert steige ich aus. Da kommt mir keifend eine Anwohnerin entgegen und stößt mir die Worte entgegen, wie ich mir wohl anmaßen könnte, hier zu parken. Seit 50 Jahren gäbe es hier in der Nachbarschaft das ungeschriebene Gesetz, dass man nur vor seinem eigenen Haus parkt. Hm, so leicht kann man ungewollt etwas falsch machen, denke ich. Und dann dieser empörte Ton…
Der Flieger ist gelandet und wir gehen zur Gepäckausgabe. Am Band warten Hunderte von Leuten auf ihren Koffer. Auch hier von Höflichkeit keine Spur bei einigen Wartenden, die die wenigen Stühle mit ihren Taschen blockieren, laut telefonieren oder ohne Rücksicht auf andere zum Band stürzen, wenn ihr Koffer sichtbar wird.
Zwischen zwei Terminen schlendere ich durch die Stadt. Kurz aufatmen. Da bewegt sich, wie so oft, der Mann mit der „Bodo“ auf mich zu und drängt mich, ein Exemplar zu kaufen. Das aktuelle habe ich schon und sage das auch. Aber eine Spende soll ich ihm dennoch geben. Nein, diesmal nicht. Eingeschnappt zieht er weiter. Irgendwie ist sein Verhalten aggressiv, und das stößt mir auf. Und kommt da bei mir noch ein Quentchen schlechten Gewissens hinzu? Möglich.
Was ist das mit den Menschen? Wo bleibt die Freundlichkeit? Wo bleibt die Höflichkeit? Es wäre so schön, wenn wir alle die so genannte Goldene Regel beachten würden, von der schon Jesus spricht und die sogar im Deutschen sprichwörtlich geworden ist: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Matthäus (7,12) und Lukas (6,31) überliefern es von Jesus so: „Behandelt andere immer so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet.“ Aus der biblischen Wissenschaft wissen wir, dass der Spruch zu Jesu Zeiten schon altehrwürdig war, und dass Jesus ihn selbst aus seinem hebräisch-aramäischen Kultur- und Sprachschatz zitiert hat. Siehe an, so etwas wie eine Menschheitsregel. Der Paulusschüler, der den 2. Timotheusbrief verfasste, sagt es noch einfacher: „Seid freundlich zu allen!“ (2,24)
Ich will mir das gesagt sein lassen. Auch wenn andere moppern, lästern, unhöflich sind; ich will versuchen, freundlich zu bleiben. Vielleicht hilft mir der Trick, der letztlich keiner ist: dass ich auch diesen Menschen als von Gott geliebtes Geschöpf sehe mit meinen inneren Augen, auch wenn die äußeren eine Furie wahrnehmen. Eine gute Übung!
Ihr und Euer Tom Damm