
„Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (5. Mose 16,14)
Neulich stehe ich an der Kasse im Supermarkt. Vor mir ein älterer Mann, der seinen Einkauf aufs Band legt – ganz normal, Brot, Käse, eine Flasche Wein. Als die Kassiererin die Summe nennt, sagt er: „Prima!“ Nicht zu ihr, eher so für sich. Bezahlt, nimmt die Tüte und geht.
Ich muss kurz nachdenken, wann ich zuletzt an der Kasse „Prima“ gesagt habe.
Mose sagt zum Volk Israel: „Du sollst fröhlich sein.“ Ein Gebot zur Freude – das klingt erst mal seltsam. Freude lässt sich doch nicht anordnen. Aber Mose redet vom Erntefest, von einem konkreten Moment: Das Korn ist eingeholt, der Vorrat ist voll. Genau jetzt, sagt er, schau hin. Halt das fest.
Das Gegenteil von Freude ist in diesem Vers nicht Trauer, sondern Selbstverständlichkeit.
Das Brot, das selbstverständlich da ist. Die Wohnung, in der es warm ist. Die Menschen, mit denen man abends am Tisch sitzt. Lauter Dinge, die gut sind – und so leise, dass man sie kaum noch wahrnimmt.
Das Volk, das Mose da anspricht, kennt den Mangel. Es kommt aus der Wüste, weiß, wie es ist, wenn nichts selbstverständlich ist. Und vielleicht macht genau das den Unterschied: Wer den Mangel kennt, kann das Vorhandene ganz anders sehen.
Der Mann an der Kasse hat mir das eindrücklich vor Augen geführt: Brot, Käse, Wein – prima!
Vielleicht ist das die schlichteste Form von dem, was Mose meint. Nicht eine große Gefühlswelle. Sondern einen Moment lang das Gute beim Namen nennen, bevor der nächste Tag es schon wieder verschluckt.
Ich wünsche Ihnen und Euch eine gute Woche
Ihr Jannis Graf