
In den letzten Tagen war es ganz schön kalt. So manches Mal habe ich mir Mütze und Handschuhe angezogen.
Es gibt aber auch Tage, da ist mir innerlich kalt, obwohl es draußen vielleicht warm ist. Wenn ich Post bekomme mit einem schwarzen Rand. Wer ist jetzt schon wieder gestorben?, frage ich mich. Oder wenn ein Arzt mir meine Diagnose verkündet und mir eine Operation oder Bestrahlungen ankündigt. Dann zieht ein kalter Schauer an meinem Rücken herunter und ich fange an, vor Kälte zu zittern.
In der Bibel lese ich zwar nichts davon, aber ich glaube, dem Elia war damals auch kalt, äußerlich wie innerlich. Äußerlich, weil es in der Wüste nachts ganz schön kalt sein kann, und innerlich, weil er nicht mehr konnte und nicht mehr wollte. Er legte sich vor Erschöpfung unter einen Strauch und wollte sterben.
Aber da passiert etwas Besonderes. Während Elia da vor sich hin dämmert, kommt Gott in der Gestalt eines Engels. Er entzündet ein Feuer. Er röstet Brot und stellt Wasser an das Kopfende des Elia. Gott schenkt dem Elia Wärme. Eine äußerliche Wärme durch das Feuer und eine innerliche Wärme durch Brot und Wasser, durch seine Anteilnahme und Nähe und durch einen neuen Auftrag. Ich verstehe die alten Geschichten von damals als Ermutigung für heute. Sie erzählen mir davon, dass Gott wie ein Feuer ist, das mich wärmt, wie Brot, das mich stärkt und wie Wasser, das mich lebendig macht. Und so darf auch ich losgehen wie der Elia von damals, gestärkt für die nächste Wegstrecke, die vor mir liegt.
Eisige Zeiten.
Die Kälte hat Einzug gehalten.
Der Frost lässt die Natur erstarren.
Eis und Schnee bedecken Straßen und Häuser.
Der Winter hat uns fest im Griff.
Eisige Zeiten.
Menschen, die sich aus dem Wege gehen.
Geschwister, die sich nichts mehr zu sagen haben.
Gerede hinter vorgehaltener Hand.
Unterkühlte Beziehungen. Frostige Atmosphäre.
Eisige Zeiten.
Mein Glaube an Gott auf Eis gelegt,
in kalter, untätiger Alltäglichkeit verharrend.
Die Lebendigkeit scheint zurückgedrängt.
Die Gedankenlosigkeit hat mich fest im Griff.
Erfrorener Christ. Tiefgekühlter Glaube.
Eisige Zeiten.
Es ist ein Ros entsprungen,
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter.
Hoffnung im Eis.
Ein Hauch von Wärme in der Kälte.
Neues Leben in der Starre.
Gottes Wort fällt ins Leben
und ruft:
Blüh auf, erfrorner Christ.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Hartmut Görler