
Die Ampel springt auf Grün – und nichts passiert. Der Wagen vor mir steht. Ich warte. Eine Sekunde. Zwei Sekunden. Dann hupe ich. Das kann ja wohl nicht wahr sein! Der Fahrer vor mir zuckt zusammen, legt sein Handy weg und fährt los.
Getrieben-Werden hat keinen guten Ruf. Und ein unhöflicher Treiber im Straßenverkehr zu sein schon gar nicht. Das klingt nach Stress, nach Verzweiflung. Der Terminkalender treibt. Das Gefühl, noch nicht genug geschafft zu haben, treibt. Und im Stau auf der Hörder Straße werde ich regelmäßig zum Treiber und Getriebenen.
„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“, heißt es im Wochenspruch.
Jesus steht am Jordan und lässt sich taufen. Der Geist kommt auf ihn vom Himmel herab – und dann geht’s los. Auch Jesus lässt sich treiben. Er zieht zuerst in die Wüste und danach durch Galiläa. Er heilt Menschen, sitzt mit Außenseitern am Tisch, erzählt Geschichten, die alles auf den Kopf stellen. Der Geist treibt ihn nicht ins Hamsterrad, sondern zu den Menschen.
Das ist ein anderes Getrieben-Werden. Nicht das hektische Weiter-weiter-weiter. Sondern eines, das fragt: Wo werde ich gebraucht? Was ist heute wichtig?
Was hat mich heute Morgen aus dem Bett getrieben? Die To-Do-Liste im Kopf? Oder etwas anderes – die Neugier auf das, was kommt, ein Mensch, auf den ich mich freue, der Dank über den geschenkten neuen Tag?
Der Geist Gottes treibt mich nicht in die Verzweiflung. Er erinnert mich: Du bist Gottes geliebtes Kind. Das reicht. Sogar für den nächsten Stau auf der Hörder Straße.
Ich wünsche Ihnen und Euch eine geistreiche Woche.
Ihr Jannis Graf