
Brückenschlag
Die gelbe Brücke über die Ruhr – daneben die Eisenbahnbrücke, etwas weiter Versorgungsleitungen – vieles wird genau an dieser Stelle überbrückt, bzw. vieles braucht eine Brücke als Verbindung von hier nach da. Ich selbst oft auch. Mit dem Rad bin ich hier immer wieder unterwegs. Freue mich, dass es diesen „Radschnellweg“ von Ergste nach Wandhofen gibt. Mit dem Auto muss man sich sonst ganz schön durcharbeiten durch die Stadt um dieses Ziel zu erreichen.
Für mich ist die gelbe Brücke ein Symbol für so manches, was Distanzen und Abgründe überwindet. Nicht nur auf den Straßen, auch zwischen mir und anderen.
Wie die gelbe Brücke kann manchmal ein Wort sein, ein Satz, der eine Verbindung zu meinem Gegenüber aufbaut.
Wie die gelbe Brücke kann manchmal eine Idee sein, die zum Brückenschlag in die Zukunft wird, nachdem ich mir schon so sehr der Kopf zerbrochen habe, wie es wohl gehen kann, wie das Problem zu lösen ist.
Brückenschlag – manche Menschen können das gut, finden die richtigen Worten, schaffen im richtigen Moment eine Verbindung. Ich brauche sie, wenn ich selbst den Weg zum anderen nicht finde, wenn ich die andere gar nicht erreichen kann. Brückenbauer*innen brauche ich.
Nicht nur echte Brücken aus Stahl und Holzbohlen sind für mich dabei wichtig, sondern auch die Brücken zwischen Menschen.
„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Matthäus 5, 9) – Jesus schwärmt von den menschlichen Brückenbauern in der Bergpredigt. Er weiß wie wichtig die Menschen sind, die verbindlich auf andere eingehen, nicht zumachen, wenn sie sich ärgern, sondern sich in andere hineinversetzen können, ihre Perspektive einnehmen, nicht stur sind, nicht nur auf ihrem guten Recht bestehen, die Verbindung nicht abreißen lassen, auch wenn sie schon mal besser war. Selig sind auch, die die Gegenseite berühren können, einen Kontakt schaffen, der längst abgerissen ist, Mut haben zum Neuanfang. Selig sind die, die Frieden stiften. – ja, das kann ich genauso sagen.
Mir fehlen sie – heute immer mehr.
Ihre Pfarrerin Claudia Bitter
Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen
Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen,
gib mir den Mut zum ersten Schritt.
Lass mich auf deine Brücken trauen, und wenn ich gehe, geh du mit.
Ich möchte gerne Brücken bauen,
wo alle tiefe Gräben sehn.
Ich möchte über Zäune schauen
und über hohe Mauern gehn.
Ich möchte gern dort Hände reichen,
wo jemand harte Fäuste ballt.
Ich suche unablässig Zeichen
des Friedens zwischen jung und alt.
Herr gib mir Mut zum Brückenbauen,
gib mir den Mut zum ersten Schritt.
Lass mich auf deine Brücken trauen,
und wenn ich gehe, geh du mit.