
Liebe Leserin, lieber Leser!
Halb Schwerte wird es mitbekommen haben, und der WDR hat es ins ganze Land ausgestrahlt: Der Turm von St. Viktor hat neue Glocken erhalten. Wo über Jahrhunderte stets drei Glocken ihren Dienst versahen, werden es für die kommenden Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, nun sieben schöne Bronzeglocken sein. Wie froh und dankbar wir als Kirchengemeinde sind, dies mit vielen Anstrengungen und auch Fügungen erreicht zu haben, lässt sich kaum ausdrücken.
Und heute möchte ich Ihnen eine der Glockengeschichten erzählen, die sich um das große Ereignis ranken.
Die größte der drei alten Stahlglocken, die zuletzt für 105 Jahre im Glockenturm ihren Dienst versahen, heißt „Friede“. Im Krieg gegossen, ein Kind des Ersten Weltkrieges sozusagen, hat sie doch von Anfang an die Sehnsucht nach Frieden erklingen lassen, hat 105 Jahre lang diese Sehnsucht in die Stadt Schwerte hinein geläutet. Und dann fing sie an zu reißen. „Friede“ bekam einen Riss. Drei Wochen nach Putins Angriff auf die Ukraine legte sich die Friedensglocke selbst lahm und musste umgehend stillgelegt werden.
Hat unser Geläut ein eigenes Gedächtnis?, mag man da fragen. Wissen die Glocken, wo sie herkommen? Haben sie ein Gewissen? Spüren sie, wenn die Geschichte ihre Botschaft voller Hohn einholt?
Das alles ist nur schwer vorstellbar. Aber es mutet schon seltsam an, diese Konvergenzen, dieses Zusammenkommen der Ereignisse. Denn unsere deutsche Kriegs- und Friedensgeschichte ist für uns Schwerter:innen untrennbar mit unseren alten und neuen Glocken verbunden. Unsere alten drei Bronzeglocken wurden im Ersten Weltkrieg eingeholt, abtransportiert und zu Kanonen umgegossen. „Pflugscharen zu Schwertern“ und nicht, wie der biblische Prophet Amos es forderte, „Schwerter zu Pflugscharen“. Wir bekamen dann 1920 die drei nicht so wertvollen Stahlglocken, „Friede“ eine unter ihnen.
Und wenn nun bald, hoffentlich an Weihnachten 2025, die sieben Bronzeglocken im Glockenturm von St. Viktor schlagen, schließen wir eines der alten Kriegskapitel und wünschen uns, dass sie jahrhundertelang für den Frieden – und auch in einer friedlichen Umgebung – schlagen werden.
„Großer Gott, wir loben dich“, diesen alten christlichen Song hat unser Bläserchor gestern morgen zur Einbringung der Glocken in den Turm gespielt. Ich denke an den 150. Psalm, der vor Freude alle Instrumente erklingen lassen will. Ein Schelm, wer da nicht auch an Glocken denkt:
Lobt ihn mit Posaunen,
lobt ihn mit Psalter und mit Harfen.
Lobt ihn mit Pauken und Reigen,
lobt ihn mit Saiten und Pfeifen.
Lobt ihn mit hellen Zimbeln,
lob ihn mit klingenden Zimbeln.
Alles, was Odem hat, lobe Gott!
Halleluja!
Bleiben Sie behütet und genießen Sie das neue Geläut!
Ihr Tom Damm