
Spuren im Wasser
Liebe Leserin,
lieber Leser,
die Fähre hat längst Fahrt aufgenommen. Hinter uns liegt die Insel, vor uns das Festland. Und im Wasser: eine Spur. Die Wellen kräuseln sich, das Licht tanzt auf der Oberfläche, und für einen Moment ist sichtbar, wo wir herkommen. Dann glättet sich das Meer. Die Spur verschwindet.
Ich bleibe an diesem Bild hängen. Denn es erzählt etwas über unser Leben. Auch wir hinterlassen Spuren – in Gesprächen, in Begegnungen, in Entscheidungen. Manche sind deutlich, andere kaum sichtbar. Manche bleiben lange, andere verlieren sich schnell.
Was bleibt von mir, wenn ich weitergehe? Was bleibvon einem guten Wort, das ich gesagt habe? Von einem Moment der Nähe, der vielleicht nur kurz war, aber viel bedeutet hat?
Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,20). Das klingt wie eine Verheißung: Unsere Spuren sind nicht nur menschlich. Sie sind auch geistlich. Wenn wir in seinem Namen handeln, sprechen, zuhören, dann hinterlassen wir mehr als nur eine Wellenbewegung. Dann bleibt etwas. Dann wird etwas sichtbar – vielleicht nicht sofort, aber irgendwann.
Und umgekehrt: Auch Gottes Spuren sind manchmal flüchtig. Nicht immer klar, nicht immer greifbar. Aber sie sind da. In einem Sonnenstrahl, der mich berührt. In einem Gedanken, der mir Frieden schenkt. In einem Menschen, der mir begegnet und mir gut tut.
Vielleicht ist das die Einladung dieser Woche: die Spuren wahrzunehmen. Die eigenen und die göttlichen. Nicht alles muss dauerhaft sein. Nicht alles muss groß sein. Aber alles kann Bedeutung haben.
Und vielleicht ist das Wort zur Wochenmitte diesmal ganz schlicht: Geh deinen Weg. Hinterlasse Spuren. Und vertraue darauf, dass Gott auch dort wirkt, wo das Wasser sich schon wieder glättet.
Ihr und Euer Daniel Groß