
„Plötzlich stand der Herr vor Jakob und sagte: »Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. […] Siehe, ich bin bei dir und behüte dich überall, wohin du auch gehst. Ich bringe dich zurück in dieses Land. Ich werde dich nicht verlassen, bis ich vollbringe, was ich dir verheißen habe.« Als Jakob aus dem Schlaf erwachte, sagte er: »Der Herr ist an diesem Ort anwesend, und ich wusste es nicht.« Da fürchtete er sich und dachte: »Vor diesem Ort muss man Ehrfurcht haben! Hier ist gewiss ein Haus Gottes und ein Tor zum Himmel.« Am Morgen stand Jakob früh auf und nahm den Stein, den er neben seinen Kopf gelegt hatte. Er stellte ihn als Altar auf und rieb seine Spitze mit Öl ein. Jakob nannte den Ort Bet-El, das heißt: Haus Gottes.“ (1.Buch Mose 28,13-19)
Jakob ist auf der Flucht. Hinter ihm liegt der Betrug an seinem Bruder Esau. Er hat sich den Segen des Vaters erschlichen, das Erstgeburtsrecht an sich gerissen. Jetzt flieht er. Ein Betrüger in der Wüste, allein, die Zukunft ungewiss. Nichts in seinen Händen.
Ausgerechnet dort, an diesem verlassenen Ort, begegnet ihm Gott. Als er am nächsten Morgen erwacht, ist gar nicht so viel anders. Trotzdem nimmt er den Stein, der unter seinem Kopf liegt, richtet ihn auf als Altar, als Zeichen seiner Dankbarkeit. Bethel nennt er diesen Ort – Haus Gottes.
Jakob dankt für etwas, das er noch nicht hat. Er dankt für ein Versprechen. Für eine Zukunft, die er noch nicht sehen kann.
Ich bin es gewohnt, für das zu danken, was ich habe. Für das erreichte Ziel. Für die überstandene Krankheit. Für das gelungene Fest. Für die schöne Erinnerung. Meine Dankbarkeit richtet sich meist rückwärts: „Danke, Gott, für das, was war. Danke für das, was du getan hast.“
Jakob hingegen dankt vorwärts. Er dankt in die Zukunft hinein. Er baut seinen Altar nicht als Denkmal für Vergangenes, sondern als Vertrauenszeichen für Kommendes. Seine Dankbarkeit ist eigentlich Vertrauen in Verkleidung.
Jakob dankt nicht für die Erfüllung, sondern für die Verheißung. Noch in der Wüste. Noch auf der Flucht. Noch mit leeren Händen. Er nimmt seinen „Kopfkissenstein“ – das Einzige, was er hat – und macht ihn zum Altar. Als ob die Verheißung schon Wirklichkeit ist. Als ob er die Zukunft schon in den Händen hält.
Seine ganze Haltung ist auf Zukunft ausgerichtet, auf das, was Gott tun wird – nicht auf das, was gewesen ist.
Es verändert, wie ich auf mein Leben schaue. Nicht: Was habe ich? Sondern: Was hat Gott noch mit mir vor? Was wird noch werden?
Vielleicht ist das die eigentliche Herausforderung: Danken wie Jakob für das, was noch kommt. Altäre bauen für Verheißungen. Öl ausgießen für Zukünftiges. Danken in der Gewissheit, dass Gott seine Verheißungen hält.
„Siehe, ich bin bei dir und behüte dich überall, wohin du auch gehst.“
Das hat Gott Jakob versprochen. Das verspricht er auch uns. Nicht erst, wenn alles gut geworden ist. Sondern jetzt. Auf dem Weg. In der Ungewissheit.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Jannis Graf