
Die einen sind gerade zurück, die anderen packen gerade ihre Koffer. Und doch ist die Hauptreisezeit vorbei. Jetzt werden die Fotos ausgedruckt und die Mitbringsel betrachtet. So manche Errungenschaft wird im Nachhinein belächelt. Der Flaschenöffner in Form des Eiffelturms ist nach dreimaligem Gebrauch schon zerbrochen. Die bedruckte Kaffeetasse hat nach dem ersten Spülmaschinengang schon ihre Farbe verloren. Das wunderschöne Halstuch passt nicht zu den Klamotten in meinem Schrank, und das blau-weiß gestreifte T-Shirt ist in der Wäsche eingelaufen. All diese Dinge erweisen sich als Fehlkauf, obwohl sie uns im Moment des Kaufens noch begeistert haben.
Augenzwinkernd kommt mir die Jahreslosung für das Jahr 2025 in den Sinn: Prüfet alles und behaltet das Gute.
Allerdings weiß ich, dass Paulus damals in seinem Brief an die christliche Gemeinde in Thessaloniki nicht meinen Urlaubsnippes meinte, und doch werden mir diese Reiseirrtümer zu einem Sinnbild.
Da lernt eine junge Frau einen Mann kennen und ist hellauf begeistert, aber schon nach einigen Wochen stellt sich heraus, dass er eine Flachpfeife ist. Da freue ich mich an der scheinbar modernen Gesinnung einer neuen Partei und muss hinterher feststellen, dass dort auch nicht alles Gold ist was glänzt. Da wechsle ich meine Arbeitsstelle und komme zu dem Punkt, dass die neue Firma auch nicht besser als die alte.
Prüfet alles und behaltet das Gute.
Was hat eigentlich Bestand? Was hat einen bleibenden Wert in meinem Leben? Was tut mir wirklich gut? Was trägt mich durch? Was entlarvt sich hinterher als Luftblase? Ganz schön schwierig, das vorher zu erkennen. Manchmal fliegen wir wirklich auf die Nase. Gott schenke uns bleibende Schätze, nicht nur im Himmel, sondern hier auf Erden mitten im Alltag: Freunde, auf die ich mich verlassen kann. Gedanken, die mich aufbauen und nach vorne bringen. Einen Glauben, der mir Mut macht, wenn alles den Bach runter geht. Ja, Gott, schenk mir Gutes, das ich behalten werde.
Ihr Hartmut Görler