
Liebe Leserin,
lieber Leser!
Wir ziehen um. Meine Frau und ich. Natürlich bleiben wir in der Gemeinde wohnen. Aber es sind doch ein paar Kilometer von der alten zur neuen Wohnung.
Jetzt heißt es: Kisten packen. Ausmisten. Regale abbauen. Organisieren. Abschied nehmen. Kündigen. Verträge machen. Sachen verschenken. Möbel anpassen. Möbel abgeben. Möbel anschaffen.
Es ist ein Berg von Arbeit, vor allem, wenn man feststellen muss: Wir haben viel zu viele Dinge. Wir umgeben uns mit materiellen Gütern, damit wir es schön haben und gemütlich; damit ich für die nächste Predigt den richtigen theologischen Kommentar zur Hand habe; und meine Frau ihr Klavier; damit wir Kleidung und Schuhe für jeden Anlass im Schrank haben. Und deshalb ist so ein Umzug eine schiere Zumutung; ein Berg von Arbeit; ein heftiger Umbruch.
Wie hat es Abraham nur geschafft, als Gott zu ihm sprach: Abraham, du sollst umziehen. Deine Heimat Ur sollst du verlassen und nach Kanaan ziehen, um dort ganz neu anzufangen. Ja, Abraham blieb nicht „in der Gemeinde“, er zog mal eben viele hundert Kilometer weiter nach Westen. (Genesis 12,1-9)
Und dann Jesus, der sagt: Ich brauche keine eigene Wohnung. Lukas zitiert ihn so: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihr Nest. Aber der Menschensohn hat keinen Ort, an dem er sich ausruhen kann.“ (Lukas 9,58)
Wir heutigen Menschen in unseren Breiten sind nicht wie Jesus. Wir brauchen sehr wohl Orte, an denen wir uns ausruhen können. Der Alltag ist stressig genug. Und die eigene Wohnung sollte so ein Ort sein; ein Nest, in dem wir unsere Seele baumeln lassen können, wenn wir von der Arbeit nach Hause kommen; eine Oase zum Auftanken.
Aber – Hand aufs Herz – brauchen wir diese unzähligen Besitztümer, mit denen wir uns umgeben? Werden sie nicht dann spätestens dann zur Last, wenn wir den Ort wechseln? Wenn wir spüren, dass wir uns davon nicht trennen können? Oder uns schließlich und endlich ganz aus diesem Leben verabschieden? Was wollen wir hinterlassen?
Ich möchte mich frei machen von dem Ballast, denke ich. Ich möchte loslassen lernen und mit weniger Gepäck weiterreisen. Das Abgeben von vielen liebgewonnenen, aber nicht notwendigen Dingen erleichtert mich jetzt schon, spüre ich. So kann dieser Umzug von einer Belastung zu einem Segen werden.
Den Segen des Loslassens wünsche ich auch Ihnen!
Ihr Tom Damm