
Ich freue mich auf diese Urlaubswoche. Endlich wieder in die Berge fahren, wandern gehen – wie jedes Jahr. Die Wanderschuhe, der Rucksack und mein Wanderhut sind eingepackt. Doch schon am ersten Morgen wachen wir bei strömendem Regen auf. Graue Wolken hängen tief, die Berge sind völlig verschwunden. So geht es die ganze Woche weiter. Das habe ich mir anders vorgestellt.
Seit Monaten freue ich mich auf diesen Urlaub und dann kommt alles anders. Wir beschließen, das Beste aus der Situation zu machen.
Nach jedem Regenschauer klart es für kurze Zeit auf. Die Berge zeigen sich in einem besonderen Licht. Die Luft ist klar, die Farben intensiv. Und einmal spannt sich ein vollständiger Regenbogen über das Tal. Anstatt auf dem Gipfel zu stehen, betrachten wir die Berge von unten und nutzen jede Regenpause für kleine Spaziergänge.
„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“
Psalm 121,1-2
Der Psalm ist ein Wallfahrtslied: Die Menschen, die es singen, sind unterwegs zu den Bergen, zum Tempel in Jerusalem. Sie blicken zu den Höhen und fragen sich: Wo finde ich Halt? Die Antwort des Psalms ist klar: Nicht in den Bergen selbst, sondern in dem, der sie geschaffen hat.
Die Berge sind auch im Urlaub da, aber verhüllt. Die geplanten Wanderungen fallen aus. Trotzdem genieße ich einen sehr schönen Urlaub – nur nicht in erwarteter Form. Nicht mit klarer Bergsicht und perfektem Wanderwetter, sondern in warmen Zimmern und mit vielen Gesellschaftsspielen und kurzen Spaziergängen.
Das Schöne entsteht nicht immer aus perfekten Umständen. Es kommt von dem, der auch hinter den Wolken wirkt.
Der Regenbogen nach den Schauern zeigt das: Gott wirkt auch dann, wenn die Umstände nicht ideal erscheinen. Seine Hilfe kommt nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch durch die Wolken hindurch. Was wie ein verpatzter Urlaub beginnt, wird zu einer Woche echter Erholung – nur ganz anders als geplant.
Es grüßt Sie frisch aus dem Urlaub
Ihr Jannis Graf