

Liebe Leserin, lieber Leser!
Letztes Wochenende waren wir im Dortmunder Zoo. Zwischen Tieren und Menschen, Stimmengewirr und Kinderlachen begegneten mir zwei rostfarbene Metallskulpturen – scheinbar schwere, unbewegliche Objekte. Doch bei näherem Hinsehen offenbarten sie etwas Erstaunliches: Durch kunstvoll ausgeschnittene Pflanzenformen hindurch schimmerte das echte, lebendige Grün der dahinterliegenden Natur. Ein faszinierendes Zusammenspiel von Kunst und Schöpfung, von Rahmen und Inhalt, von dem, was gemacht ist – und dem, was wächst.
Ich blieb stehen. Und ich dachte: Ist nicht auch unser Glaube manchmal so ein Rahmen? Von außen betrachtet starr, klar begrenzt. Doch seine wahre Schönheit entfaltet sich dort, wo Gottes Gegenwart durchscheint. Wo Licht hineinfällt. Wo hinter aller Begrenzung plötzlich Leben sichtbar wird.
Was wäre, wenn wir unseren Alltag mehr wie solche Skulpturen betrachten würden – als Gelegenheit, das Unsichtbare zu sehen? Zwischen den Aufgaben, im Lärm, mitten im Rost des Lebens: Gibt es Ausschnitte, durch die Gott hindurchscheint? Vielleicht durch ein Gespräch. Einen stillen Moment. Ein Blatt im Wind.
Diese Skulpturen haben mich daran erinnert, dass Gottes Schönheit oft gerade dort aufleuchtet, wo wir es nicht erwarten – durch Öffnungen, durch Zwischenräume, durch das, was unvollkommen scheint.
Möge diese Woche uns Augenblicke schenken, in denen wir innehalten können. Mögen wir hinter dem Offensichtlichen Gottes leises Wirken erkennen – als Licht, das durch den Alltag fällt, als Hoffnung, die durch kleine Ausschnitte sichtbar wird. Und mögen wir selbst selbst zum Durchblick für andere werden: ein Fenster der Gnade, durch das etwas von Gottes Liebe hindurchscheinen darf.
Ihr und Euer Daniel Groß