Mittwoch, 17. Juni 2020

App in die Freiheit

Seit Dienstag habe ich eine neue App auf meinem Smartphone: die offizielle Corona-Warn-App der Bundesregierung. Über das Einhalten der Hygiene- und Vorsichtsregeln hinaus möchte ich so auch digital meinen Beitrag dazu leisten, die Pandemie einzudämmen und so Menschenleben zu schützen.

Wie bereits im Vorfeld wird wohl auch in den kommenden Tagen heftig debattiert werden über den Sinn und die Risiken der App. Dazu sage ich: Redet nicht alles kaputt. Mir reden manche zu viel und tun zu wenig. Aber das wäre ein anderes Thema.

Ich möchte Sie heute gedanklich mitnehmen in die wunderbare und wundersame, nützliche und fragwürdige Welt der Apps. Sie versprechen, den Alltag leichter, informativer und besser zu machen.

Stimmen diese Versprechen? Es macht Sinn zu überlegen, wie man selbst mit seinen Apps umgeht. Ich stelle bei mir fest, dass sich die Anzahl der Apps auf meinem Smartphone stetig erhöht hat, sei es für die Kommunikation mit anderen, für Nachrichten, Wetter, Routen- und Urlaubsplanung, ja selbst Vogelstimmen und Pflanzen identifiziere ich inzwischen mithilfe einer speziellen App.

Schnelles Wissen mit der App, überall verfügbar – zumindest, solange der Akku nicht leer ist und Netzverbindung besteht. Viele Apps empfinde ich tatsächlich als Segen und möchte sie auch nicht mehr missen. Doch zugleich möchte ich mich nicht vollends abhängig machen vom Smartphone und seinen Apps.

Mein Wochenkalender – in „echter“ Printausgabe – zeigt gerade ein Cartoon, bei dem sich ein junges Paar am Esstisch gegenübersitzt, beide ihren Blick gesenkt auf ihr Smartphone. Sie: „Ich habe dir gerade geschrieben, ob du mein Fahrrad repariert hast?“ Er: „Ich antworte gerade: Ja!“

Manche Formen des digitalen Lebens sind doch schon irgendwie krank! Apps wollen die Kommunikation verbessern, und Menschen verlernen mit ihnen das persönliche Gespräch – und verlernen so auch ihre soziale Kompetenz.

Im Alten Testament konfrontieren die Priester die Menschen mit Segen und mit Fluch ihres Handelns. Das Volk möge wählen, wie es sich verhalten wolle. Jedes Verhalten hat seine Konsequenzen, im Guten wie auch im Schlechten, sowohl für den Einzelnen, als auch für die Gesellschaft, und diese Konsequenzen wirken kurzfristig aber auch langfristig.

Ist es nicht auch so mit den Apps!? Sie wirken nützlich und attraktiv. Sie können eine echte Hilfe und Bereicherung sein. Sie sollten aber wohl überlegt heruntergeladen und eingesetzt werden. Bei manchen Apps gibt man viele persönliche Daten preis, andere, speziell die kostenlosen, sind oft mit Werbung versehen, manche sind ein Einfallstor für Schadsoftware, andere haben ein Suchtpotential.

Ich lerne für mich, nicht jeder verlockenden App zu trauen. App in die Freiheit? Nicht die App selbst, sondern mein Umgang mit ihr entscheidet darüber, ob sie mir etwas mehr Freiheit, Komfort und auch Freude schenkt.

Bei der Corona-Warn-App bin ich mir im Klaren, dass sie allein keine Garantie für eine dauerhafte Befreiung vom Virus sein wird – aber sie ist eine wichtige und nützliche Hilfe – für mich tatsächlich eine App, die man haben und nutzen sollte – ein Segen für das Volk, wenn viele sie installiert haben.

So kann auch Technik und Apps zum Segen werden, wenn wir sie verantwortlich einsetzen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Ihr Achim Dreessen