Mittwoch, 10.06.2020

#Himmelszeichen – die Pusteblume

 

Ihre Schirmchen heben sich in die Luft und fliegen überall hin. Wenn sie landen, sind sie Samen – ein neuer Löwenzahn kann wachsen. So breitet sich die Blume überall aus. Als Kind habe ich viel für die Verbreitung von Pusteblumen-Schirmchen getan, habe sie gepflückt und angepustet und der Wind hat sie in aller Welt verteilt. Nicht zur Freude der Gärtner, aber zur Freude aller Menschen, die diese satten gelben Löwenzahnwiesen bewundern. (Ich gebe zu, dass ich den Löwenzahn in unserem Garten jetzt auch manchmal verfluche… aber das ist ein neues Thema.)

An der Pusteblume kann ich den Wind erkennen. Sonst kann ich ihn ja gar nicht sehen. Der Wind – diese Luftregung ist unsichtbar, nur seine Wirkung kann ich sehen und hören. Das leise Säuseln lässt die Birke rauschen, das Brausen peitscht die Wellen an der Nordsee, und die sanfte Brise geht über die Löwenzahnwiese und trägt die Pusteblumenschirmchen weiter.

Der Wind selbst ist unsichtbar, aber seine Wirkung nicht. Schon darum ist die Pusteblume ein Himmelszeichen.

Für mich wird an der Pusteblume auch ein bisschen davon sichtbar, wie der andere Himmel – das Himmelreich – sich ausbreitet. Dafür ist sie ein gutes Bild. Denn auch alles zwischen Himmel und Erde, zwischen Himmelreich und Menschenwelt – das kann man nicht sehen, nicht mit unseren Sinnesorganen als Phänomen wahrnehmen, aber die Wirkung kann man sehen, das was in Bewegung kommt durch den Geist: den Glauben, den Segen, die Hoffnung, die Begeisterung, die Liebe. Das ist auch wie so ein Schirmchen von der Pusteblume – der Geist Gottes trägt es dahin, wo sein Same keimen, wachsen und blühen kann. Jesus hat Gottes Geist mal mit dem Wind und seiner Wirkung verglichen: Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist. (Johannes 3,8)

Was wird aus meinen Worten? Was wird aus meinen guten Absichten? Was wird aus meiner Idee? Wen tröstet mein Trost? Wer hört, was mir wichtig ist? Nicht immer kommt sofort etwas zurück, nicht immer kann ich erkennen, wie Gottes Geist darin wirkt. Es ist wie beim Wind: der bläst, wo er will, trägt die Samen dahin, wo er will. Gottes Geist macht, dass meine Impulse, meine Gedanken, mein Tun zu Samen werden, keimen und wachsen und blühen, wo ich es nicht vermute.

Das ist gerade in diesen Zeiten, in denen man nicht einmal sieht, ob jemand zurücklächelt, ein Grund zur Hoffnung, findet

Ihre Pfarrerin Claudia Bitter