Donnerstag, 30. April 2020

„Ka bo“ und „Kgantele!“

Mit diesen Worten musste ich in Botswana erst umzugehen lernen. Auf die Frage, wann der Bus komme, würde niemand antworten: Um 8.14 Uhr. Statt dessen sagte man mir entweder: „…ka bo 8“ („Ungefähr um 8“) oder einfach nur „Kgantele“ „Später.“ Bei Überlandbussen war dies in den Dörfern oft auch realistischer, da Verzögerungen von einer Stunde nicht ungewöhnlich waren. Die Weißen haben Uhren, die Afrikaner Zeit.

Viele können es in diesen Tagen nicht erwarten, dass die Ausgehbeschränkungen, Kontaktsperren und Verbote gelockert werden. Geduld ist gefragt, fällt aber oft richtig schwer. Vielleicht sind wir Weißen deshalb Uhrenmenschen, weil wir mit ihnen meinen, die Zeit unter Kontrolle zu haben. Kontrolle gibt uns das Gefühl, die Unwägbarkeiten im Griff zu haben. Aber Corona lehrt uns, dass wir mit Unverfügbarkeiten leben müssen, und dass es für vieles eben keine klare Antwort gibt. So auch bei der Frage, wann was wieweit gelockert werden kann. Wir wissen es nicht. Denn wir alle müssen auf Sicht fahren, müssen abwarten und hoffen, dass die Reproduktionszahl im Zuge der Lockerungen weiterhin unter 1 bleibt. Entsprechend kann es keinen exakten Fahrplan aus der Corona-Krise geben.

Afrikanische Gelassenheit wie bei den Worten „ka bo“ oder „kgantele“ täte auch uns gut. Oder Geduld. Dabei ist Geduld auch eine Frage der Perspektive. Manche schauen auf das, was sie gerade verpasst haben: „Wenn ich bloß daran denke, dass ich heute eigentlich auf Teneriffa im Urlaub wäre, dass ich am  Meer spazieren gehen würde, bei herrlichstem Wetter… Ist das nicht furchtbar!?!“

Es geht auch anders: „Wir genießen den Urlaub mit Tagesausflügen ins Sauerland. Gut, hier ist kein Meer. Aber die Stauseen sind auch schön, und die Sonne scheint auch über Deutschland.“

Geduld kann man einüben. Schauen Sie nicht auf das, was Sie im Moment verpassen. Achten Sie auf Schönes, das Sie umgibt. Jesus gibt uns dazu wertvolle Tipps: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ (Matthäus 6,26). Und Paulus ermutigt uns, dass wir Gott im Gebet um Geduld bitten dürfen: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ (Römer 12,12).

Bleiben Sie gesund, zuversichtlich und geduldig!

Ihr und Euer Achim Dreessen