Mittwoch, 25. März 2020

#Zuhause

Auf einmal bin ich fast immer zuhause. Und mein Zuhause verändert sich gerade für mich. 

Zwar kenne ich es als Pfarrerin mit Pfarrhaus, dass ich zuhause arbeite und dienstlich telefoniere – meine Arbeit nimmt sich einen Platz in meinem Zuhause. Im Amtszimmer. Das ist für mich normal. Und auch mein Mann kennt das. Wenn ich am Schreibtisch sitze, kann es sein, dass ich für private Dinge kein Ohr frei habe. Soweit alles normal (Nur Katze und Kater warten nicht ab, ob sie dran sind oder nicht – auch das ist normal). Aber jetzt in Zeiten der eingeschränkten Kontakte bin ich fast nur noch hier. Kontakte laufen nur noch über Telefon oder Internet. Das ist nicht normal. 

Mein Zuhause verändert sich gerade. Mein Mann macht Homeoffice, ist also schon seit letzter Woche immer bei der Arbeit zuhause und hier mit seiner Firma verbunden. Die nimmt sich jetzt auch einen Platz in unserem Zuhause – nicht nur durch die Erzählungen beim Abendbrot. Und manchmal ist er in Videokonferenz. Dann dürfen Kater und Katze nicht in seinen Raum. (Und ich weiß das auch) Aber so ein Pfarrhaus hat ja segensreich viel Platz. Ein Problem ist das also nicht. Nur ungewohnt und neu. 

Zuhause bleiben – das bedeutet eigentlich, dass ich in der vertrauten Umgebung bin, alles um mich herum immer so ist, wie ich es mir eingerichtet habe. Das gibt Geborgenheit. Ich bin dann ganz bei mir. In meine Welt kommt nur hinein, was ich selbst hineinlasse. 

Zuhause bleiben – das bedeutet jetzt, dass alles hier stattfinden muss. Nur Spazierengehen oder Radfahren bringt mich noch nach draußen. Und der Einkauf, wenn etwas fehlt. Kein Besuch, keine Treffen außerhalb. 

Zuhause bleiben – das bedeutet auch, ich mich selbst zurücknehme, auf Gesellschaft verzichte und auf Eindrücke von außen.  Außenkontakte geben mir ja neue Impulse. Ich bin dann bei anderen Menschen, reagiere auf sie, bekomme etwas von ihren Ansichten mit, lache mit ihnen, singe mit ihnen, bete mit ihnen, diskutiere und erzähle am Tisch mit ihnen. Wenn ich zuhause bleibe, gibt es solche Impulse fast gar nicht oder auf anderen Wegen. 

Zuhause bleiben – das bedeutet auch, dass manche dichter zusammenrücken, sich Familiensituationen nicht so entzerren. Im normalen Alltag trifft man sich vielleicht nur zum Abendessen oder so. Familien sind es gar nicht gewöhnt, dass immer alle zuhause sind.  Jede und jeder macht sonst das eigene Ding.

Zuhause bleiben – das bedeutet auch, dass manche einsam sind. Selbst Nachbarschaften gehören ja nicht in denselben Hausstand und dürfen jetzt ja eigentlich keinen Kontakt mehr haben. Mich hat berührt, dass die Menschen in Italien die Fenster aufgemacht haben, um über den Hof oder die Straße miteinander zu reden und Leben hinein zu lassen. 

Zuhause bleiben – ob ich mein Zuhause in dieser Zeit neu liebgewinne? Ob mir die Decke auf den Kopf fällt? Ob ich es entrümple? Ob ich merke, wo ich es verändern muss? Ob Menschen, die ein Zuhause teilen, sich neu kennenlernen? Ob sie Wege finden, für sich zu sein, wenn alle da sind und es eng wird? Ob Menschen, die allein leben, Wege finden zu einer neuen Art von Kontakten? Ob sie mehr telefonieren? Ob sie merken, wo sie es nicht allein schaffen und wo Hilfe nötig ist? Ich glaube diese Corona-Zeit macht etwas mit mir und meinem Zuhause, mit uns allen in unseren Häusern und Wohnungen.

Jesus nimmt das Zuhause als Bild für die neue Welt Gottes. „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“ (Johannes 14, 2) – wie tröstlich, dass bei Gott jede und jeder auf die eigene Weise Platz hat und zuhause sein darf – nicht nur in der Kirche, sondern auch zuhause auf dem Sofa oder am Fenster im Kerzenschein, wenn die Glocken läuten und wir im Gebet verbunden sind. Wir sind bei Gott daheim. Mir gefällt dieses Bild der Vertrautheit und Geborgenheit. Und ich will hoffen, dass es in Gottes Welt offene Fenster gibt für die Welt da draußen. 

Ihre Pfarrerin Claudia Bitter


Geistliche Impulse

Gebete, mutmachende Texte, Erinnerungen an beglückende und stärkende Erfahrungen im Glauben und in der Gemeinschaft – in diesen Zeiten, in denen wir soziale Kontakte reduzieren und auch in der Gemeinde keine Treffen, keine Gottesdienste möglich sind – in diesen Zeiten wollen wir als Geistliche der Gemeinde – Pfarrerinnen, Pfarrer, Prädikantinnen, Prädikanten – kleine Texte ins Netz stellen.Beten Sie mit, denken Sie mit, singen Sie mit – wir hoffen auf die stärkende Kraft des Glaubens und der Gemeinschaft.

Wenn Sie mögen, reagieren Sie auch gern per E-Mail oder telefonisch.

Ihr Pfarrteam


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