
Die beiden Dörfer Geisecke und Lichtendorf gehören seit alter Zeit zur Kirchengemeinde Schwerte und werden pfarramtlich von dort versorgt. Beide Dörfer haben ihre Anfänge in bäuerlicher Besiedlung. Ende des 19. Jahrhunderts lassen sich Bergarbeiter in Lichtendorf nieder, die auf den Zechen in Sölde oder Holzwickede Arbeit gefunden haben.
Durch den Ausbau von Eisenbahnverbindungen und den Bau des Eisenbahnausbesserungswerks in Schwerte-Ost werden am Beginn des letzten Jahrhunderts in Geisecke zahlreiche (Eisenbahner-) Wohnungen gebaut. Das führt zu einem Wachsen des Ortsteils.
In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wird für die wachsende Bevölkerung zunächst der Ev.Friedhof Geisecke-Lichtendorf angelegt, dann in den Jahren 1927/28 das Gemeindehaus mit einem Kirchsaal erbaut. Es liegt geografisch zwischen Geisecke und Lichtendorf und verbindet die beiden Ortsteile. Die Grundstücke für Friedhof und Gemeindehaus sind alte Schenkungen von bäuerlichen Familien.
In den 50er Jahren des 20.Jahrhunderts richtet die Kirchengemeinde Schwerte eine eigene Pfarr-stelle für die Ortsteile Geisecke und Lichtendorf ein. Der erste Pfarrer, der diese Pfarrstelle über mehrere Jahre innehat, ist Pfr.Stumpf. Ihm folgt von 1960 bis 1990 Pfr. Ernst Ziemann. Anfang der 60er Jahre wird das Gemeindehaus um- und ausgebaut: Anbau eines Altar- bzw. Chor-Raums, Ausbau des Bühnenraums, später Aufbau eines kleinen Glockenturms. In Verbindung mit einer Erweiterung des Ev. Friedhofs wird um 1970 eine Friedhofskapelle errichtet. 1973 wird das Pfarrhaus zwischen Gemeindehaus und Friedhofskapelle erbaut; die bisherige Pfarrwohnung im Gemeindehaus wird danach zur Küsterwohnung. Dadurch können im vorhandenen Baubestand ein Presbyter- bzw. kleiner Versammlungsraum und eine Küche für Gemeindezwecke eingerichtet werden.
Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte haben viele Menschen am Ort ihre Gaben und Talente in die Gemeindearbeit eingebracht und damit das Gemeindezentrum mit Leben gefüllt. So entstehen neben den schon lange vor dem 2. Weltkrieg gegründeten Frauenhilfen Lichtendorf und Geisecke weitere Gruppen.
Seit den 60er Jahren sammelt Frau Renate Ziemann als Pfarrfrau Jugendliche um sich und übt mit ihnen Gitarren- und Flötenlieder für die Gemeindearbeit ein.
Aus einem Taufgespräch ergibt sich 1965 die Beauftragung von Herrn Wilhelm Krabbe als neben-beruflicher Organist. Etwas später beginnt er mit einigen Bläsern die Posaunenarbeit und noch etwas später trifft sich unter seiner Leitung regelmäßig ein Frauenchor, der durch den Zuzug weiterer Singbegeisterter zum Kirchenchor wird.
Durch den Zuzug interessierter Neubürger kommt es ab 1971 zu einer Zunahme von Aktivitäten:
- Junge Mütter übernehmen und gestalten Kindergottesdienste mit besonderen Aktivitäten zu kirchlichen Festen.
- Einrichtung eines Elternkreises mit Vorträgen und Gesprächen zu besonderen Themen, Wieder-Aufnahme von Bibelstunden.
- Jugendarbeit und -freizeiten durch verschiedene Presbyter mit Unterstützung des damaligen Küsters, des Herrn Manfred Böings.
Unter Federführung des ortsansässigen Architekten Horst Hellmann wird im Jahr 1991 der Eingangsbereich des Gemeindezentrums um einen Garderobenraum vergrößert, und ein weiterer Gemeinde- und Jugendraum wird am südwestlichen Rand des bisherigen Gebäudes angebaut.
Durch den Umzug von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bzw. Eintritt in eine neue Lebensphase (Schule > Studium, Familiengründung, berufliche Belastung, zunehmendes Alter) gibt es immer wieder Umbrüche und Veränderungen. 1989 übernimmt Frau Gertrud Beuchel die Leitung des Kirchenchores. Sie gestaltet nicht nur Festgottesdienste wie zum Beispiel Konfirmationen oder die Christvesper am Heiligen Abend mit, sondern übt weitere Lieder ein, so dass Konzerte – manchmal in Zusammenarbeit mit dem Posaunenchor – gegeben werden können.
Im Jahr 1991 wird Herr Ingo Dreßler als nebenberuflicher Organist eingestellt und sorgt mit seinem Dienst über alle Veränderungen hinweg für Kontinuität.
Mit Unterstützung des Jugendreferats des Kirchenkreises und einiger engagierter Familien aus der Gemeinde wird nach dem Pfarrstellenwechsel zu Pfr. Manfred Wuttke die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen neu belebt – zumal mit dem 1991 neu angebauten Raum jetzt mehr Platz zur Verfügung steht. Zusätzlich zu den wöchentlichen Kindergruppen finden Kindergottesdienste für Grundschulkinder bzw. Katechumenen parallel zum sonntäglichen Gottesdienst statt. Regelmäßig werden Kinder-Bibeltage, manchmal Ausflüge mit Kindern und die „Kinder-Ferien-Kirche“ in Zusammenarbeit mit dem Jugendreferat angeboten.
Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wird Herr Thorsten Schlüter Leiter des Posaunenchores. Er stammt aus dem benachbarten Hengsen-Opherdicke und fördert eine Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung der Bläser beider Chöre. Diese Zusammenarbeit erweist sich bei vielen festlichen Gottesdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen als hilfreich, denn wie bei den meisten Chören gibt es nur wenig Nachwuchs, und die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger wie auch der Bläserinnen und Bläser geht zurück. Als Herr Dr. Thorsten Schlüter nach der Jahrtausendwende häufig berufliche Termine im Ausland wahrnehmen muss und daraufhin Probenstunden ausfallen, übernimmt Herr Ewald Wohlfarth die Leitung des Posaunen-chores und baut die Kontakte mit dem Posaunenchor Opherdicke und anderen Posaunenchören aus der Nachbarschaft aus.
Alle zwei Jahre werden Gemeindefeste gefeiert. Neben den Presbyterinnen und Presbytern engagieren sich hier die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde und auch die Mitglieder der beiden Frauenhilfen stark: mit dem Kochen von Kaffee und Backen unzähliger Kuchen, mit der Betreuung von Waffel-, Bratwürstchen- und Getränkeständen und zahlreichen Angeboten für Kinder. In Verbindung mit dem 80-jährigen Bestehen des Gemeindezentrums kommt ein Leiterwagen der Freiwilligen Feuerwehr. Die Besucher des Gemeindefests werden in Form der Zahl „80“ aufgestellt und von oben fotografiert.
Auf eine Idee der Pfarrfrau Friederike Wuttke geht das „Kaffeestübchen im Gemeindehaus“ zurück, das seit 1997 jedes Jahr von März bis zum Buß- und Bettag mittwochs von 15.00-17.00Uhr zum Verweilen und zum Gespräch bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen einlädt. Die Organisation der einzelnen Termine wird viele Jahre von Frau Christa Scholl übernommen. Als sie diese Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterführen kann, setzt Frau Monika Meier diese Arbeit erfolgreich und mit großem persönlichen Einsatz fort. Hinzu kommt das Angebot, vor den (seltenen) Gottesdiensten um 11.00 Uhr ein gemeinsames Frühstück anzubieten. Das wird von vielen Gemeindegliedern gern angenommen.
Erwähnenswert ist noch, dass der Kirchsaal in den 2000-er Jahren vereinzelt für sehr große Trauerfeiern genutzt worden ist, um einer große Zahl von Trauergästen die Möglichkeit einer direkten Teilnahme zu ermöglichen.
In der Zeit großer finanzieller Sorgen der Kirchengemeinde Schwerte ab dem Jahr 2008 und daraus folgender Überlegungen, alle Gemeindehäuser zu veräußern und die Gemeindearbeit in Häuser der katholischen Kirchengemeinde oder in Anbauten an Kindergärten und Friedhofskapellen zu verlagern, ist durch engagierte Gemeindemitglieder unter Federführung von Herrn Werner Kiesheyer die Idee zur Gründung eines Fördervereins aufgekommen und umgesetzt worden. Seit dem Jahr 2009 unterstützt dieser Förderverein die Gemeinde mit regelmäßigen Beiträgen (Spenden) und mit praktischen Tätigkeiten wie der Pflege der Grünflächen. Bis zu 120 Mitglieder aus den Ortsteilen Geisecke und Lichtendorf tragen die Arbeit des Fördervereins und entlasten so den Haushalt der Kirchengemeinde. Im Jahr 2012 geht die Leitung des Fördervereins auf Herrn Holger Rüping über, und er führt diese Aufgabe fort bis zum Ende des Jahres 2025. Der Kooperations-vertrag mit der Kirchengemeinde ist mit dem Signal der Gemeinde, dass das Gebäude gegebenenfalls für diakonische Zwecke genutzt werden kann, im Frühsommer 2025 beendet worden.
In Zeiten sich verändernder Gewohnheiten der Menschen werden die jeweils drei Biergarten-Abende während der Sommerferien zu einem beliebten Angebot. Dieses nehmen auch Mitglieder der beiden Katholischen Nachbargemeinden sowie Menschen aus einem weiteren Umfeld gern an.
Aus ökumenischen wie aus finanziellen Überlegungen wird im Jahr 2012 ein Mietvertrag mit der freikirchlichen „Maranatha-Gemeinde“ (Christen aus Sri Lanka) geschlossen, der es dieser Gemeinde ermöglicht, samstags ihre Bibelstunden und Gebetstreffen und sonntags ihre Gottesdienste im Gemeindezentrum Geisecke-Lichtendorf zu halten bzw. feiern. Mit der Aufgabe des Paul-Gerhardt-Hauses durch die Ev. Kirchengemeinde Schwerte endet dieses Mietverhältnis, und die Maranatha-Gemeinde zieht dorthin um.
Als Pfr. Dr. Klaus Johanning 2016 die Pfarrstelle Geisecke-Lichtendorf übernimmt, bringt er einige Ideen aus der „Offene-Kirche-Arbeit“ ins Gemeindeleben ein wie die jährlichen „Fright-at-Night“ Rezitationsabende. Später wird er von Frau Sarah Wohlfarth dabei unterstützt, während Klaus Pohl und Christoph Wuttke für musikalische Unterbrechungen und Frau Monika Meier mit ihrem Team für eine gute Versorgung der Gäste in der Pause sorgen. Pfr. Dr. Klaus Johanning ist der letzte Pfarrer, der die Pfarrstelle innehat; nach seinem Eintritt in den Ruhestand wird die Pfarrstelle Ende 2021 gestrichen.
Zwischen 2022 und 2025 erfolgen die Betreuung der evangelischen Christen in Geisecke-Lichtendorf und die Durchführung der Gottesdienste am Buschkampweg an zwei Sonntagen im Monat durch das verbliebene Pfarrteam der Gesamtgemeinde Schwerte, ergänzt durch die im Gemeindebezirk lebenden Pfarrer im Ruhestand.
Den letzten Gottesdienst im Gemeindezentrum Geisecke-Lichtendorf werden Pfr. Dr. Klaus Johanning und Pfr. Manfred Wuttke am 31.12.2025 gemeinsam gestalten.
Personen
- Pfarrer: Pfr. Stumpf (ca. 1954-1960) – Pfr. Ernst Ziemann (1960-1990) – Pfr. Manfred Wuttke (1991-2015) – Pfr. Dr. Klaus Johanning (2016-2021).
- Küster(in): Herbert Scharenbach – Manfred Böings – Elke Karnath-Hamroll – Karl-Heinz Hamroll – Stephan Peters.
- Organisten: Wilhelm Krabbe – Ingo Dreßler.
- Leiter(in) des Kirchenchors: Wilhelm Krabbe – Gertrud Beuchel.
- Langjährige Obfrau für Kontakte zur Gemeinde: Frau Renate Pohl.
- Leiter des Posaunenchors: Wilhelm Krabbe – Dr. Thorsten Schlüter – Ewald Wohlfarth.
- Langjährige Vorsitzende der Frauenhilfen:
- Lichtendorf: Annette Niessner, Stellvertreterin: Monika Mergner, Kassiererin: Elfriede Wagner (und Team) –
- Geisecke: Christa Scholl, Stellvertreterin: Herta Franke; Kassiererin: Hildegard Westerhoff (und Team).
- ab 2015: Gemeinsame Frauenhilfe Geisecke-Lichtendorf: Friederike Wuttke – Christel Feldmann – Bärbel Meinks-Schmale – Marianne Rosigkeit, danach: Kornelia Henze.
- Nicht zu vergessen: Die zahlreichen Presbyterinnen und Presbyter, die zum Teil über Jahrzehnte hinweg ehrenamtlich viel Zeit und Kraft in die Unterstützung der jeweiligen Pfarrer und die Gestaltung des Gemeindelebens eingebracht haben und die hier nicht alle genannt werden können. Seit den späten 1990er Jahren des letzten Jahrhunderts kommen Sachkundige Gemeindeglieder aus den unterschiedlichen Arbeitsgebieten des Gemeindelebens dazu.
- Wie in jeder Gemeinde haben zahllose ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Gemeindeleben und die Veranstaltungen getragen und lebendig gehalten. Ihnen allen gebührt ein herzlicher Dank!!!
Anlaufstelle und Ort der Begegnung
In den 97 Jahren seines Bestehens haben in dem Gemeindezentrum viele Menschen eine Anlauf-stelle und einen Ort der Begegnung gefunden. Natürlich in den wöchentlichen Gottesdiensten.
Aber daneben auch in den Frauenhilfen, im Kirchen- und Posaunenchor, bei Flöten- und Gitarrenkursen für Kinder und Jugendliche, in den Kindergottesdiensten, den Kinder- und Jugendgruppen, bei Kinder-Bibeltagen und Veranstaltungen der Kinder-Ferien-Kirche, im Katechumenen- und Konfirmandenunterricht, beim Einüben von Krippenspielen für den Heiligen Abend, im Familienkreis, im Biblischen Gesprächskreis, bei Gemeindefesten, Biergärten, Konzerten des Kirchen- und Posaunenchores, den musikalischen Darbietungen „Von Klassik bis Jazz“, im Kaffeestübchen, bei Gymnastik- und Yogakursen, bei den Rezitationsabenden von „Fright at Night“ und dem ökumenisch gestalteten jährlichen „Adventsfenster“ am Gemeindezentrum. – Wahrscheinlich gibt es noch weitere Veranstaltungen, die hier nicht im Blick sind, aber Menschen erreicht haben.
Diese Zusammenstellung wurde von Pfr. i.R. Manfred Wuttke verfasst